Neugestaltung der Treppenhäuser im Altbau

2015 gestaltete der Kieler Maler Benjamin Mastaglio  die beiden Treppenhäuser des Altbaus mit einer großflächigen Farbkomposition aus.

Interview mit Benjamin Mastaglio

Die Kunst von Farbe und Geometrie.

Der Künstler Benjamin Mastaglio gestaltete zwei Treppenhäuser der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe

 

VON RUTH BENDER 

 

ITZEHOE. Die Mittagssonne, die durch die Fenster im Obergeschoss in das Treppenhaus fällt, bringt sie zu leuchtender Intensität: Streifen und Flächen, die violett und sonnengeIb über die Wände ziehen, abknicken, die Richtung wechseln, sich verbreitern, umzingeln, verschachteln - mal in feiner Farbabstufung, mal im satten Kontrast. Unten heller, pastelliger, nach oben hin kräftiger. Und darunter zieht sich ein Sockel in aufmüpfigem Rot als verbindendes Element durch die zwei Stockwerke.

Der Kieler Künstler Benjamin Mastaglio hat das frische lichte Farbenspiel geschaffen, das sich in  der Karl-Karl-Schule (KKS) in Itzehoe durch die beiden zentralen Treppenhäuser des denkmalgeschützten Ziegelbaus zieht. Ein geschlossenes System von ausgeklügelter Geometrie, irgendwo zwischen Schaltplan und Labyrinth, das die preußische Strenge der Architektur ebenso aufnimmt wie ihr fröhlich zuwiderläuft. Und die Dynamik scheint das geordnete Chaos im Schulhaus zu spiegeln. 

Gar nicht so leicht, herauszufinden, wie man in so einem Raum Wirkung entfaltet, sagt Benjamin Mastaglio: „Ich wollte diesen Durchgangsorten Aufmerksamkeit verschaffen, ihnen eine Identität geben. Und ich wollte Dynamik. Dazu gehört auch das leichte Crescendo der Farben." Ausprobiert hat er seine Entwürfe am getreuen Modell 1:25 und mit farbigem Tonpapier. „Analog also“, schmunzelt der Brockmann-Preisträger 2013, der auch in der Landesvertretung m Berlin bereits eine Wand gestaltet hat. Kunst im Vorbeigehen sozusagen.

Angestoßen hat das Projekt AIbrecht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig Holstein, als im vergangenen Jahr in der KKS der Tag des offenen Denkmals eröffnet wurde. Motto: Farbe - während in dem denkmalgeschützten Bau noch wilhelminische Düsternis in Schlammoliv und Rauchergelb dominierten. Zum diesjährigen 30. Jubiläum des Denkmal-Tages suchte Barthel nach einer Möglichkeit, der Schule etwas Dauerhaftes zu überlassen. Und Mastaglios farbintensive Kunst in der Landesvertretung hatte den Denkmalschützer an die visionären Raumgestaltungen des in ltzehoe lebenden und wirkenden Künstlers Wenzel Hablik (1881-1934) erinnert. „Es muss möglich sein, frühere Zeiten modern zu interpretieren“, sagte Barthel. „Und anders, als viele glauben, lässt die Denkmalpflege dies zu.“

Auch Mastagio hat ein Faible für Hablik, seit er vom aufwändig gestalteten Wohnhaus und Atelier des Künstlers in der Talstraße erfuhr, und von dem abstrakt-geometrisch ausgemalten Esszimmer, das dort 2012 denkmalgerecht restauriert wurde. „Seine Raumentwürfe waren revolutionär“, sagte Mastaglio – und macht in der KKS sein ganz eigenes Ding. „Er war schon präsent“, sagte er, „aber zum Beispiel brauchte ich schon mal ganz andere, lichtere Farben.“ 54 Farbtöne hat Mastaglio mischen lassen und mit den Kollegen Maike Denkert und Lennart Holzborn in rund 1400 Arbeitsstunden vermalt, und 10 km Abklebeband verbraucht. Und der rote Sockel wurde der starken Beanspruchung wegen vorsorglich in abwaschbare Latexfarbe gestrichen.  Den Großteil finanzierte die Kulturstiftung des Landes, Sponsoren, allen voran das Unternehmen Pohl-Boskamp, gaben ihren Teil dazu.  Und letztlich hat Mastaglio der Schule das zweite Treppenhaus quasi als Geschenk vermacht – in dem 20.000 € - Etat war ursprünglich nur das Süd - Treppenhaus um den Haupteingang der Schule vorgesehen.

Jetzt flitzen die Schüler an den Wänden vorbei wie von der Farbkraft beflügelt. Schulleiter Hartmut Blank freut sich über die gelungene „Hommage an Hablik“ , die auch dem Etikett der Kulturschule, das die KKS seit einem Jahr führt, zugute kommt.  Und zwei ehemalige Schülerinnen schlendern mit wachem Blick die Treppe hinunter und finden einfach: „Das ist wirklich toll geworden.“

 

Kieler Nachrichten vom 12.9.2015 S. 33

 

Ein buntes Treppenhaus voll mit Wenzels Wunder-Welten

IZEHOE Es ist ein Heimspiel für den Staatssekretär. Eberhard Schmidt-Elsaeßer steht im Festsaal der KaiserKarl-Schule (KKS), in der er vor über 40 Jahren seine Abiturprüfung bestanden hat. Nun ist er zurück zur Einweihung der vom Künstler Benjamin Mastaglio gestalteten Treppenhäuser der Schule. Seit gestern gehören sie nach einem Festakt vor über 100 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik nun offiziell den Schülern. „Es ist eine Hommage an Wenzel Hablik“, sagt Mastaglio, der vom Staatssekretär gleich mal gelobt wird. Er habe großartige Treppenhäuser geschaffen, so Schmidt-Elsaeßer. Und: „Die Kaiser-KarI-Schuie kann stolz auf einen eigenen Mastaglio sein."

Auf 530 Quadratmetern Wandfläche hat der Künstler im vergangenen Jahr vor allem in den Ferien Farbe in das Gebäude gebracht. „Vorher war das Treppenhaus mehr in einem kasernengelb gehalten“, sagt Mastaglio. Jetzt erstrahlt es rechtzeitig vor dem 150. Geburtstag der Schule in 53 Farben. „Schule ist nicht mehr nur grau, nein, sie ist richtig bunt“, sagt denn auch der Vorsitzende des städtischen Bildungsausschusses, Ingo Teßmer. „Die KKS ist der Motor für lebendige Kultur." Und Albracht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege meint: „Wir müssen nicht nur Verborgenes wieder hervorholen, sondern auch mal was Neues wagen."

Benjamin Mastaglio hat dafür nicht nur das Konzept entwickelt und die Treppenhäuser bemalt, er hat auch auf Geld verzichtet. Ursprünglich sollte er nach der Grundsanierung durch die Stadt nur ein Treppenhaus bemalen.
„Doch weil ich weiß, wie klamm die Schule ist und wie schwierig die Finanzierung überhaupt ist, habe ich zwei Treppenhäuser dafür gestaltet." 20000 Euro hat das Projekt gekostet, 15 000 Euro hat die Kulturstiftung des Landes übemommen, den Rest der Förderverein dank vieler Spenden.

Dass die Kunst einen wichtigen Platz in der Schule habe, machen alle Festredner deutlich. „Es wird immer in Frage gestellt, ob wir es uns als Gemeinwesen leisten können in Kultur und Bildung zu investieren', sagt Schulleiter Hartmut Blank. „Was wir uns nicht leisten können, ist, es nicht zu tun." Den Gästen gefallen die neu gestalteten Treppenhäuser - und offenbar auch den Schüiem. ,Es gab vorher ja auch Zweifel, ob die Kunst in einem Schulgebäude richtig aufgehoben ist - und nicht von einigen der 900 Schülem wieder verunstaltet wird“, sagt Mastaglio. „Doch das ist wohl widerlegt, denn die Schüler nehmen das an."

Und Eberhard Schmidt-EIsaeßer? Der wünscht den Schülem der Kaiser-KarI-Schuie „viel Freude am Eintauchen in Mastaglios und Wenzels Wunder-Welten und Gewinn von Anregungen für das eigene künstlerische Gestalten“. Und er empfiehlt den Besuchern, „für die wachsende Klarheit im Blick" immer wieder zu kommen. Er jedenfalls hält es da mit einem anderen - nun ja Künstler- und sagt: ,Ich komme auf jeden Fall wieder." ky

 

 

NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU vom 14.9.2015