Der Mauerfall von Itzehoe

Durchgang zwischen Klosterhof- und Kaiser-Karl-Schule beschlossen. Ära einer Feindschaft endgültig zu Ende.

Damit wird ein Kapitel geschlossen, denn: „Diese Schulen verbindet eine jahrelange Feindschaft“, sagt der Leiter der Klosterhofschule, Gerd Freiwald. Seine Einrichtung, jetzt eine Gemeinschaftsschule, war ehemals eine Hauptschule. Mit der benachbarten KKS, seit jeher Gymnasium, habe man nichts zu tun haben wollen. „Damals hatten wir noch ein etwas anderes Publikum. Auch deshalb haben sich die beiden Schulen wohl klar voneinander abgegrenzt“, sagt Freiwald. Und sein Kollege von der KKS, Hartmut Blank, sagt: „Das Gymnasium wurde immer als etwas hochnäsig empfunden.“ 

Freiwald, seit 2001 im Amt, erinnert sich an regelmäßige Anrufe aus der KKS, wenn Schneebälle über die Mauer gegen das Fenster der Schulleitung flogen. „Unsere Schüler machten sich einen Spaß daraus. Drüben fand man das gar nicht witzig.“ Auch ein Fußball sei mal auf dem Schulhof des Gymnasiums gelandet. „Eine Kollegin ging hinüber zur KKS und bat einen Lehrer, den Ball zurückzugeben. Ohne Erfolg.“ Darauf sei er selbst gegangen: „Auch ich habe den Ball nicht bekommen“, sagt Freiwald. 

Heute kann er über diese Anekdoten schmunzeln, denn inzwischen bestehe ein freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden Schulen. „Wenn sich zwei Schulleiter verstehen und Kontakt aufnehmen, dann passiert auch etwas.“ Hartmut Blank, seit 2012 im Amt, kann das nur bestätigen: „Seit wir beide hier Zuständigkeit haben, gibt es keine Mauer mehr in den Köpfen.“

Aus dem engen Verhältnis der beiden Schulleiter erwuchsen zahlreiche gemeinsame Projekte: Die Schulen nutzen gegenseitig ihre Fachräume und Sporthallen, Klosterhof-Schüler essen in der Mensa der KKS. Im Juni dieses Jahres veranstalteten erstmals beide Schulen gemeinsam ein Benefiz-Fußball-Turnier. Schließlich ist im August ein Kooperationsvertrag in Kraft getreten, der unter anderem gegenseitige Unterrichtsbesuche von Lehramtsanwärtern vorsieht. 

Dass nun auch die Mauer aus Stein durchbrochen werde, sei nur konsequent, sagt Hartmut Blank, und für die Schüler darüber hinaus äußerst praktisch. Denn die Wege zur Turnhalle oder zur Mensa der anderen Schule verkürzten sich erheblich. 

Der Durchgang soll in unmittelbarer Nähe der Cafeteria der Klosterhofschule auf einer Länge von 2,80 Meter eingerichtet werden. Wegen des Höhenunterschieds zwischen den beiden Grundstücken, wird eine Treppe errichtet. Ein Entwurf des Itzehoer Architekten Carl Holdorf sieht Sitzstufen vor, wie es sie auch jetzt schon vor der Cafeteria gibt und die bei warmem Wetter für Unterricht im Freien benutzt werden können. Die Kosten für das Projekt werden auf 21  000 Euro geschätzt, der Auftrag soll in Kürze vergeben werden. Auch unter den Kommunalpolitikern sorgte der Beschluss für Erleichterung. Ratsherrin Ingrid Reichhelm (CDU): „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erleben werde, dass diese Mauer durchbrochen wird.“ 

 

 

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